Im Lockdown vermissten die Eltern den Kontakt zur Schule

Die Kantonale Elternorganisation hat die Ergebnisse ihrer Umfrage zum Fernunterricht der Schule veröffentlicht. Viele Eltern kritisieren, dass sie und ihre Kinder in dieser Zeit mit dem Schulstoff alleine gelassen wurden.

von Matthias Meili

Nach dem Corona-Lockdown hat die Dachorganisation der Eltern-Vereine, die Kantonale Elternmitwirkungsorganisation KEO des Kantons Zürich, eine

Umfrage über die Erfahrungen der Eltern mit dem Fernunterricht lanciert – nun hat die KEO die Ergebnisse mitgeteilt. Dabei fällt vor allem ins Auge, dass sich viele Eltern gewünscht hätten, dass die Lehrpersonen die Kinder im Lockdown etwas intensiver betreut hätten.

An der Umfrage teilgenommen haben über 1500 Eltern aus dem ganzen Kanton Zürich, über 800 aus der Stadt Zürich. Die Daten wurden anonymisiert, so dass keine Rückschlüsse auf die einzelnen Schulen gemacht werden konnten. Die KEO betont auch, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist, dass also die quantitative Auswertung der Umfrage die Realität höchstens eingeschränkt wiedergibt. Interessant sind jedoch vor allem die qualitativen Ergebnisse, also die Kommentare der Eltern zu den einzelnen Fragen. Und diese Möglichkeit wurde auch reichlich genutzt. Die KEO wollte mit der Umfrage sozusagen die Fieberkurve bei den Eltern messen.

Qualität abhängig von der Lehrperson

Am meisten interessierte natürlich die Begleitung der Kinder durch die Lehrpersonen während des Lockdowns. Über 300 Kommentare gingen zu dieser Frage ein. Die Eltern attestierten den Lehrpersonen, dass sie sich Mühe gegeben hätten, doch leider sei das nicht immer optimal gelungen. Vor allem Familien mit mehreren Kindern äusserten sich dahingehend, dass die Qualität des Fernunterrichts sehr stark von der Lehrperson abhängig gewesen sei. Viele bemängelten, dass der Kontakt mit den Kindern auf ein Minimum reduziert worden sei, und dass das Feedback zu den Aufgaben mangelhaft war – das heisst die Aufgaben wurden nur sporadisch oder gar nicht korrigiert. Der Unterricht dürfe deshalb nicht als Fernunterunterricht bezeichnet werden, sondern eher als Home-Schooling, das heisst, die Eltern mussten die Verantwortung übernehmen. Lobend erwähnt wurden vor allem Lehrpersonen, die sich etwas intensiver um den Kontakt bemühten, zum Beispiel mit Hilfe von Telefonaten, Zoom-Konferenzen oder sogar persönlichen Rundgängen der Lehrpersonen mit Arbeitsmaterial und kleinen Geschenken im Briefkasten.

Viele Schülerinnen und Schüler taten sich mit schwer verständlichen Hausaufgaben schwer.. (Fotos: Nesha Humes Stanton)

Die Kritik zeigte sich vor allem auch bei der Frage, ob die Fernaufträge für alle Schulkinder verständlich und gut strukturiert formuliert wurden, eigentlich die pädagogische Kernaufgabe der Schule. Hierzu wurden 185 Kommentare abgegeben, in denen sich drei Aussagen herauskristallisierten. Erstens hing die Verständlichkeit stark von der Lehrperson ab. Zweitens ging es praktisch nicht ohne Unterstützung der Eltern, weil die Fernaufträge oft ohne weitere Erklärungen versandt wurden. Und drittens habe sich der fehlende Kontakt zur Lehrperson natürlich negativ auf die Motivation der Schülerinnen und Schüler ausgewirkt. Und auch hier betonten viele der Kommentarschreiber, dass sie die Zeit nicht als Fernunterricht erlebten, sondern als Home-Schooling durch die Eltern. Fazit: Die Kinder haben in dieser Zeit wohl nicht viel gelernt, wenn die Erklärungen zu den Aufgaben wegfielen und die einmal erledigten Aufgaben nicht korrigiert wurden.

Mehr Feedback und bessere Erklärungen wünschenswert

Über 800 der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich inhaltlich zur abschliessenden Frage geäussert, nämlich was sich die Eltern wünschen würden, wenn das Experiment wiederholt werden müsste. Die grosse Mehrheit der Antworten ist nicht mehr überraschend: Dringend gewünscht wäre in Zukunft mehr Kontakt der Lehrpersonen mit den Schülern, zum Beispiel durch ein präsenteres Online-Schooling, mehr Kontakt aber auch zu den Eltern. Zudem erhoffen sich viele auch mehr Struktur und Begleitung bei den Hausaufgaben, und vor allem mehr und ein besseres Feedback zu den Arbeiten, über die sich die Kinder nun in den vergangenen zwei Monaten zu Hause am Küchentisch beugen mussten.

Die Umfrage hält aber auch noch eine Lektion für die Elternräte und -Organisationen bereit, welche die KEO so vielleicht gar nicht beabsichtigt hatte: 70 Prozent der teilnehmenden Eltern hatten eine höhere Schulbildung, das heisst einen Universitäts- oder Fachhochschul-Abschluss. Interessant wäre es deshalb auch noch zu erfahren, was die «schweigende Mehrheit» über den Fernunterricht denkt. Eine weitere Gelegenheit, seine Meinung zu diesen Fragen kundzutun, bietet sich noch bis am 30. Juni in der Umfrage des Schulamts und der Pädagogischen Hochschule Zürich, zu der die Schule Saatlen vor wenigen Tagen den Link verschickt hat.

Die ausführlichen Resultate der Elternumfrage finden sich unter diesem Link auf der Webseite der KEO Zürich.

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