Der neue Lehrplan 21 – was ändert, was bleibt

Ab nächstem Schuljahr wird alles anders und bleibt trotzdem gleich. So könnte das Fazit aus der Infoveranstaltung zum neuen Lehrplan 21 lauten, über den die Schulleitung Saatlen am Montag, 5. Februar, informierte.

Von Matthias Meili

Der neue Lehrplan ersetzt die 27 Jahre alten Leitlinien für den Unterricht an der Volksschule, den alten Lehrplan 91. In erster Linie dient der Lehrplan der Harmonisierung zwischen den Kantonen, da er von allen 21 Deutschschweizer- und mehrsprachigen Kantonen eingeführt wird. Zudem soll er die Veränderungen in der Gesellschaft aufnehmen (neu wird ab der 5. Klasse das Thema Medien und Informatik gelehrt) und den Kindern nicht nur Wissen, sondern auch das Können und Wollen beibringen. „Ich will in Zukunft den Satz, ‚Er könnte es schon, wenn er nur wollte‘ nie mehr hören“, sagte Schulleiterin Bettina Erzinger. Es sei die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, die Motivation der ihnen anvertrauten Kinder von der 1. Klasse an zu stärken.

Was wollen Kinder wissen? (Albert Anker: Grossvater erzählt eine Geschichte, 1884)

Ein kinderfreundliches Restaurant

Celina Schärli, Lehrerin der 1. Klasse, erzählte in einem eindrücklichen Beispiel, wie das funktioniert. In einer Art fächerübergreifenden projektorientierten Unterrichtsform habe sie zuerst mit den Schülern besprochen, welches Thema sie wählen wollten. Zusammen hätten sie entschieden, dass sie sich  dem Thema Restaurant widmen möchten. So seien sie zuerst einmal in ein Restaurant gegangen (in die Ziegelhütte), hätten dort einen Morgen lang zugeschaut, mit den Köchen und dem Servierpersonal gesprochen und alles notiert. Zurück in der Schule stellten sie alles nach, was so in einem Restaurant abläuft, hätten Menukarten erstellt, die Preisliste aufgesetzt und sogar selber ein Restaurant gespielt. Die Kinder hätten dabei in enger Zusammenarbeit und unter gegenseitiger Hilfe unheimlich viel gelernt: Deutsch, Rechnen, neue Berufe, die Einrichtung in einem Restaurant, etc.. Die Vorteile eines solchen Unterrichts leuchten ein. Die Schülerinnen und Schüler lernen anhand eines Beispiels, das wirklich aus dem Leben gegriffen ist, eine Menge Sachkenntnisse und gleichzeitig können auch fächerübergreifende Anforderungen vermittelt werden, zum Beispiel Sozialkompetenz (unfreundliches Servierpersonal könnte den Umsatz schmälern).

Erstklässler müssen neu drei Nachmittage in die Schule

Solche Unterrichtsformen sollen künftig viel mehr in die Schule einfliessen, doch die Grundanforderungen bleiben sich gleich. Die Schülerinnen und Schüler werden weiterhin in klassischen Fächern unterrichtet werden wie Deutsch (od. Englisch, Französisch, Italienisch), Mathematik, Mensch-Natur-Gesellschaft, Textiles und Technisches Gestalten, Musik, Sport,

Auszug aus dem Lehrplan 21: Kompetenzkatalog des Fachbereichs Natur-Mensch-Gesellschaft (NMG). Die Fähigkeiten im orangen Feld müssen die Kinder bis zum Ende der 2. Klasse (1. Zyklus) beherrschen, die Kompetenzen im blauen Feld bis zur 6. Klasse (2. Zyklus).

etc..  Die Lehrerinnen und Lehrer erhalten für die verschiedenen Fachbereiche Lernziele (siehe Bild), die sie mit ihren Schülerinnen erreichen müssen. Dabei können sie selber wählen, wie sie vorgehen, sie haben die sogenannte Methodenfreiheit. Auch die Zeugnisse bleiben sich künftig vorläufig gleich.

Die wichtigsten Neuerungen in der Schule Saatlen
für das Schuljahr 2018/19:

  1. Klasse: 26 statt 24 Lektionen, drei statt zwei Nachmittage pro Woche Schule, 4 Lektionen Natur-Mensch-Gesellschaft (+ 1)
  2. Klasse: 5 Lektionen Deutsch (+ 1), 4 Lektionen Natur-Mensch-Gesellschaft (+1), kein Englisch mehr
  3. Klasse: 27 Lektionen (+ 1), 3 Lektionen Englisch
  4. Klasse: 27 Lektionen (- 2), drei statt vier Nachmittage Schule
  5. Klasse: 30 Lektionen (wie bisher), 3 Lektionen Französisch (+ 1), 1 Lektion Medien und Informatik (jeder Schüler erhält ein eigenes Tablet)
  6. Klasse: wird in diesem Jahr noch nach dem alten Lehrplan unterrichtet und wechselt erst, wenn die jetzige 4. Klasse in die 6. Klasse kommt.

Wie sehr der neue Lehrplan den Schulbetrieb tatsächlich verändert oder gar verbessert, wie er sich am Ende des Tages auf die Leistungen, das Wohlbefinden und die Motivation der Kinder auswirkt, und wie die Lehrerinnen und Lehrer und die gesamte Schule Saatlen den Herausforderungen des kompetenzorientierten Lernens begegnen wird, kann wohl erst beurteilt werden, nachdem die (R)evolution im Klassenzimmer sattgefunden hat.

Wer sich weitergehend in den Lehrplan und seine Umsetzung vertiefen möchte, findet Stundenpläne, grundlegende Ideen und mehr oder minder ausgefeilte Präsentationen auf folgenden Websites:

  • www.lehrplan.ch (national),
  • zh.lehrplan.ch (kantonal)
  • www.stadt-zuerich.ch/schulen/de/gabler/eltern/lehrplan-21.html (Stadt Zürich)

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